Die Plattform „Blitzwissen“ ist eine Geldmaschine für die extrem rechte Szene. Gegründet wurde sie von damaligen Faschisten Erik Ahrens. Jetzt packt er aus – und erzählt, wie das System funktioniert.

Heute geht es um Geld. Um richtig viel Geld. Und es geht darum, wie sich die äußerste Rechte finanziert. Nehmt euch ein wenig Zeit – es lohnt sich.

Bereits seit Jahren hat die extreme Rechte zwei große finanzielle Probleme. Das „Debanking“ und das „Deplatforming“. „Debanking“ bedeutet, dass extreme Rechte oft Schwierigkeiten haben, Bankkonten zu bekommen – oder diese sehr schnell wieder verlieren. Identitären-Gesicht Martin Sellner etwa jammert auf Telegram regelmäßig, wenn wieder mal ein Bankkonto gekündigt wird.

Und „Deplatforming“ passiert, wenn soziale Medien wie YouTube, Meta (Facebook, Insta), Twitter/X oder TikTok einen Kanal löschen. Debanking und Deplatforming führen für die Szene zu enormen finanziellen Einbußen: Wer kein Konto hat und nicht gesehen wird, bekommt weniger Spenden, weniger Abos und kann weniger Produkte verkaufen.

Ahrens will Geld organisieren

Während sich die einschlägige Szene über dieses Problem den Kopf zerbricht, hat der damalige Identitäre Erik Ahrens eine Idee. Er möchte eine regelmäßige und verlässliche Geldquelle für die extrem rechte Szene schaffen. Und so entsteht 2023 das bis heute bestehende Projekt „Blitzwissen“.

Hier findest Du meine laufend aktualisierte Recherche über die Geldflüsse der extremen Rechten in Österreich:

Die Geschäftsidee: Leute schließen ein Abo ab und bekommen dafür kurze Zusammenfassungen von Büchern, sogenannte „Blitze“. Der Trick, so erzählt mir Ahrens: „Die Leute sollten vergessen, dass sie ein Abo haben – und immer weiter zahlen.“

Politik und Profit sind ganz eng beisammen

Ahrens ist der Gründer von Blitzwissen, er baut die Seite auf. Das Konzept mit bezahlten Buch-Zusammenfassungen entspricht dabei „Blinkist“ und ähnlichen Apps. Den Unterschied beschreibt Ahrens so: „Auf Blitzwissen sollte alles veröffentlicht werden, was für Blinkist zu rechts ist.“ Dazu passt wohl auch das Logo, das gewisse Assoziationen an frühere Zeiten wecken könnte.

Logo von Blitzwissen mit einem sehr auffälligen Pfeil oder auch S.

Eigentümer von Blitzwissen ist ursprünglich die Firma „GegenUni UG“, sagt Ahrens. Das ehemalige Impressum der Seite bestätigt das. Die Firma gehört zu Beginn offiziell Erik Ahrens, das zeigen offizielle Unterlagen, die mir vorliegen und die hier zu finden sind. Und das zeigt erneut, wie eng bei den Identitären Politik und Profit zusammenhängen.

Denn eigentlich ist GegenUni eine politische Kampagne der Identitären. Das Ziel: Die Präsenz der rechten Truppe auf den Unis zu verstärken. Doch parallel dazu gibt es eine Firma „GegenUni UG“, die – ähnlich wie später Blitzwissen – Abos anbietet. Und hier kommt ein alter Bekannter im Spiel.

Denn die Firma „GegenUni UG“ betreibt Ahrens anfänglich gemeinsam mit dem Österreicher Martin Sellner. Die Beteiligung von Sellner sollte allerdings für die Öffentlichkeit nicht sichtbar werden, sagt Ahrens. Daher wäre Ahrens allein als Eigentümer aufgetreten.

Auch Identitären-Gesicht Sellner steckt drin

Ahrens legt mir dazu einen Auszug aus dem deutschen Transparenzregister vor. Aus dem geht hervor, dass es ab Anfang 2021 einen Vertrag zwischen Ahrens und Sellner gab: „Bis auf Weiteres“ sollte Sellner 50 Prozent der Gewinne von GegenUni kassieren, steht da drin. Auf eine Anfrage von mir zu seiner Beteiligung hat Sellner nicht reagiert.

Erik Ahrens. Bild: Privat, mit freundlicher Genehmigung

Ahrens hält inzwischen keine Anteile mehr an GegenUni, das zeigt die aktuelle Liste der Gesellschafter aus dem deutschen Handelsregister, die mir vorliegt. Eigentümer ist nun der einschlägig bekannte Deutsche Heinrich Nikolai Mahling. Ob Sellner weiter beteiligt ist, ist unklar. Auf Telegram macht er jedenfalls weiterhin kräftig Werbung für die Abos von „GegenUni“. Eine spannende Vermischung von Politik und Profit. Und auch der aktuelle Mann hinter Blitzwissen sitzt in Österreich.

Fakeadresse Wien, Stephansplatz

Sellner allerdings wäre von Ahrens bei Blitzwissen rausgekickt worden, wie der erzählt. Er hätte Blitzwissen einfach auf eine neue Firma transferiert und das Impressum entsprechend geändert, sagt Ahrens. Auf eine Anfrage von mir dazu hat Sellner nicht reagiert. Ob Sellner inzwischen wieder eingestiegen ist, wissen wir nicht; involviert ist er sicher, dazu gleich noch mehr. Und eine Österreich-Connection gibt es in jedem Fall.

Die Firma „Blitzwissen FlexCo“ hat heute sogar ihren offiziellen Sitz am noblen Wiener Stephansplatz, also im Herzen der österreichischen Hauptstadt. Tatsächlich ist die Adresse „Stephansplatz 8“ allerdings nur eine sogenannte virtuelle Firmenadresse, die für 60 Euro im Monat gemietet werden kann. Gegründet wurde die Firma im Juni 2024, damals noch unter dem Namen „Gedankensturm“ und ebenfalls in Wien. Und das ist kein Zufall.

Doch warum gerade Wien?

Denn die Mehrheit an Blitzwissen gehörte anfänglich zwar Erik Ahrens. Doch ein Österreicher steigt ebenfalls ein: Der in der breiteren Öffentlichkeit bisher nicht bekannte Stephan Kreuzwirt. Inzwischen hat Kreuzwirt das Projekt zur Gänze übernommen: Seit Oktober 2024 ist er alleiniger Geschäftsführer und auch Alleininhaber. Das zeigen Firmenbuch-Daten, die mir vorliegen. Auf eine umfangreiche Anfrage von mir hat Kreuzwirt nicht reagiert.

Außerhalb der rechten Szene ist Blitzwissen samt seinem Eigentümer Kreuzwirt bis heute kaum bekannt. Doch in einschlägigen Kreisen dürfte Blitzwissen inzwischen ein wichtiges Finanzierungsinstrument sein. Ich werde euch gleich darüber erzählen, wie Blitzwissen funktioniert. Doch zuerst möchte ich euch kurz meinen Informanten vorstellen.

Ein Insider packt aus

Über Jahre galt Erik Ahrens als einer der wichtigsten Influencer der äußersten Rechten, der Spiegel nannte ihn 2024 einen „der Köpfe hinter dem AfD-Erfolg auf TikTok“. Zuerst arbeitete Ahrens mit der neofaschistischen Gruppe Identitäre und der AfD zusammen. Zuletzt war er ein offener Nazi, wie er mir auch selbst sagt.

Anfang 2025 ist Ahrens dann nach eigenen Angaben ausgestiegen. Wie glaubwürdig ist der Ausstieg? Ahrens sagt im Gespräch mit mir dazu: „Man muss mir gar nichts glauben. Die Leute sollen einfach die Sachen, die ich sage, nehmen und für sich betrachten. Es muss mich auch niemand nach Hause einladen und sich mit mir an einen Tisch setzen. Die Leute können mich einfach als Whistleblower betrachten und schauen, was ich zu sagen habe.“

Mein ausführliches Gespräch mit Ahrens zu seinem Ausstieg und zu seinen Erfahrungen mit österreichischen und deutschen Identitären könnt ihr hier lesen. Was jedenfalls von außen beurteilt werden kann: Als wesentliches Kriterium für einen Ausstieg gilt, sich selbst jede Rückkehr zu verbauen, vor allem durch das Offenlegen von Strukturen und Namen. Das macht Ahrens.

Der Plan: Eine faschistische „Goldgrube“

Mit Blitzwissen will Ahrens nicht nur die Szene unterstützen, sondern auch selbst reich werden: Er hofft damals auf eine „Goldgrube“, wie er mir erzählt. Denn Blitzwissen wäre dann „das einzige YouTube-Produkt, das dieses Lager hat“, so Ahrens. Werbung käme sonst nur noch von der Firma „Hörner Group“ im Eigentum von Andre Hörner.

Es ist eine Firma aus Dresden, die Kugelschreiber vertreibt. Tatsächlich arbeitet etwa die bekannte rechte Influencerin „Charlotte Corday“ sowohl mit Blitzwissen wie mit Hörner zusammen. Das zeigen Postings auf ihrem YouTube-Kanal. Über „Corday“ werde ich euch gleich noch mehr erzählen.

Und gleichzeitig will Ahrens mit Blitzwissen auch seinen eigenen Einfluss in der Szene ausbauen. „Mein Vorbild war damals Alfred Hugenberg“, erzählt mir Ahrens. Damit wir das einordnen: Der überzeugte Faschist Hugenberg war in der Weimarer Republik der Eigentümer des größten deutschen Medienkonzerns. Nach der Machtergreifung der Nazis wurde er 1933 der erste Wirtschaftsminister unter Hitler.

Schulung für Rechte – im Schnelldurchgang

Doch wie funktioniert Blitzwissen? Das Versprechen auf der Seite klingt verführerisch: „In unter 25 Minuten“ werden angeblich „die wichtigsten Kernideen kontroverser Bücher“ vermittelt. Im Klartext: Möglichst schlau wirken – mit möglichst wenig Aufwand. Kennen wir schon aus der Schule. Ob solche Verkürzungen allerdings tatsächlich zum Verständnis beitragen, ist eine ganz andere Frage.

Werbeslogan der Plattform: „Entdecke verdrängtes Wissen“. Manchmal steht übrigens auch „vergängtes Wissen“. Bei der Rechtschreibung reichen „unter 25 Minuten“ eventuell doch nicht immer.

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Doch reden wir Klartext: „Kontroverse Bücher“ und „verdrängtes Wissen“, das bedeutet auf Blitzwissen: Auch die Bücher von bekannten Nazis, Faschist:innen und extremen Rechten werden für das einschlägige Publikum zusammengefasst. Darunter etwa „Der Hüter der Verfassung“ von Carl Schmitt. Der Jurist war ein wichtiger Nazi und bekennender Antisemit.

Kurz nach der Machtergreifung der Nazis, im Jahr 1934, schrieb Schmitt den berüchtigten Text „Der Führer schützt das Recht“. Auch nach 1945 war er nicht bereit, sich zu distanzieren. Laut „Blitzwissen“ ist der Nazi dagegen „der wichtigste deutsche politische Denker und Jurist des 20. Jahrhunderts“, seine Überlegungen seien „bis heute aktuell“.

Vom suizidalen Rechtsterroristen …

Ebenfalls in Kurzfassung auf Blitzwissen erhältlich: „Ein Samurai aus Europa“ von Dominique Venner. Der frühere Rechtsterrorist erschoss sich 2013 in Paris in der Kathedrale Notre-Dame vor den Augen zahlreicher Besucher:innen.

Zahlreiche Menschen zu unfreiwilligen Zeug:innen einer Bluttat machen: Eine letzte unmenschliche Handlung des französischen Faschisten. Für Blitzwissen ist Venners Tod dagegen ein „politisches Statement gegen den gesellschaftlichen Wandel“.

Ebenfalls im Angebot ist ein weiterer französischer Faschist, Alain de Benoist. Kein Wunder: Der französische Faschismus ist eine wesentliche Inspirationsquelle für die Identitären, die in Frankreich gegründet wurden. Apropos Identitäre: Besonders beliebt bei Blitzwissen ist der Verlag Antaios. Gegründet und geleitet wird der Verlag von Götz Kubitschek, dem wichtigsten deutschen Ideologen der Truppe.

Dazu bekommen auch einschlägige deutsche Kader wie Benedikt Kaiser auf Blitzwissen eine Bühne. Kaiser war früher offener Neonazi, heute gilt er als eines der Gesichter der selbsternannten „Neuen Rechten“. Tatsächlich ist an dieser Rechten außer dem Namen gar nichts neu.

… bis zu Kurz-Freund Peter Thiel

Und schließlich ist auch das Buch „Zero To One“ von Peter Thiel im Angebot. Thiel ist ein milliardenschwerer Tech-Unternehmer aus Deutschland, der inzwischen in den USA lebt – und bekannt ist für seine weit rechten und autoritären Überzeugungen. Nach seinem (einstweiligen?) Rückzug aus der Politik hat auch Österreichs Ex-ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz bei Thiel angedockt.

Thiel ist gleichzeitig einer der Gründer der berüchtigten Überwachungsfirma Palantir. Dass gerade Thiel bei Blitzwissen auftaucht, scheint im ersten Moment etwas widersprüchlich – immerhin schüren rechtsextreme Verschwörungsideolog:innen laufend die Angst vor angeblichen geheimen Weltregierungen. Und Palantir ist im Gegensatz zu diesem Unsinn sogar ganz reale Überwachung. Doch wen kümmern schon ein paar logische Widersprüche?

„Du hast bei diesem Produkt keinerlei Ausgaben“

Und wie funktioniert nun die Finanzierung über Blitzwissen? Um die Kurzfassungen der Bücher zu lesen oder zu hören, ist ein Abo nötig. Billig ist das nicht: 11,90 Euro im Monat kostet der Spaß – macht 142,80 Euro im Jahr. Dafür gibt es nach eigenen Angaben bei Erscheinen dieses Artikels 211 Buch-Zusammenfassungen („Blitze“) sowie 18  Hörbücher.

Den Trick dahinter erklärt mir Ahrens so: „Du hast bei diesem Produkt keinerlei Ausgaben und laufende Kosten, anders als bei einem Produkt, das du liefern musst. Zusätzliche Kunden kosten dich vielleicht einen Cent für den Server, aber real hast du keine zusätzlichen Grenzkosten. Die kaufen das – und du machst reinen Gewinn mit dem digitalen Produkt“.

Wer vergisst, hat Pech gehabt

Die Kosten, die dann noch bleiben, sind die Honorare für das Schreiben der „Blitze“. 100 Euro hätte es für die Autor:innen früher gegeben, so Ahrens. Verdammt wenig für die Zusammenfassung eines ganzen Buches. Doch: „Später wurden die Texte auch mit KI geschrieben und aufgenommen“, erzählt er. Ein gutes Geschäft.

Das geht etwa mit Tools wie NotebookLM, das auf der Google-KI Gemini basiert (auch Sellner empfiehlt NotebookLM in einem neueren Vortrag zu KI). An dieser Stelle also ein kleiner Tipp für alle Blitzwissen-Abonnent:innen: Das könnt ihr auch selbst machen.

Und dann gäbe es laut Ahrens noch einen weiteren Trick: „Nach einem Jahr verlierst Du rund 20 Prozent der Mitglieder. Doch die anderen vergessen das Abo einfach. Und so machst Du über die Jahre gerechnet immer mehr Geld.“

Eine Finanzierungsmaschine

Wie extrem rechte Influencer davon profitieren? „Es gibt rechte YouTuber, die haben teilweise eine Riesenreichweite, teilweise machen die mit einem Video 150.000 Views“, sagt Ahrens. Dennoch würden sie „nur“ einige tausend Euro pro Monat verdienen, so der Ex-Nazi. Das Problem der Szene sei: „Ihnen fehlen die Werbepartner. Als Mainstream-YouTuber würden die zigtausende Euro im Monat machen.“ Und genau hier kommt Blitzwissen ins Spiel.

Ahrens erklärt den Ablauf: „‚Eine Werbeplatzierung bei diesen Leuten kostet fast nichts, weil sie keine Alternative haben. Ich habe als Preis 100 Euro für 10.000 Views durchgesetzt. Das heißt, jemand macht ein Video mit 100.000 Views, dafür kriegt er 1.000 Euro. Blitzwissen kostet im Jahr 120 Euro. Wenn ich dann durch dieses Video 20 Jahresabos verkaufe, so lief das halt dann, mache ich schon im ersten Jahr 2.400 Euro, ich zahle dem YouTuber aber nur 1.000.“

Ein interessantes Geschäftsmodell. Aber, und das sollte nicht unterschätzt werden: Es ist gleichzeitig potenziell auch eine verlässliche Einkommensquelle für die äußerste Rechte. Das haben auch Szene-Figuren wie Homöopathensohn Sellner erkannt.

Der Identitäre Sellner macht das Werbegesicht

Der Österreicher Sellner ist sogar eines der Aushängeschilder des Projekts: Blitzwissen sei eine „klare Empfehlung“, lässt er sich samt Foto auf der Seite zitieren. Und es würde ihm helfen, „geistig auf der Höhe zu bleiben“. Ob das gelingt, mögen andere beurteilen.

Auch auf Telegram rührt der früher bekennende Nazi Sellner die Werbetrommel für Blitzwissen – samt eigenem Rabattcode. Sellners Nähe zu Blitzwissen sollte dabei nicht überraschen: Immerhin haben Ahrens und er über einen längeren Zeitraum eng zusammengearbeitet.

Identitären-Gesicht Sellner beim Versuch, meine Arbeit zu behindern. Bild: Michael Bonvalot

Heute sagt Ahrens über Sellner: „Er lebt das Influencer-Leben full time, hat extrem viel Output. Aber inhaltlich: Diese Verabsolutierung des Ausländerthemas, diese krasse Stagnation, das fand ich langweilig. Das fand ich schon als Rechter komisch. Warum er so von diesem Ausländer-Raus-Wahn vereinnahmt ist. Warum reduziert jemand das ganze Leben auf dieses eine Thema?“

Eine Mörderin als Pseudonym

Die zwei weiteren Werbegesichter von Blitzwissen passen ebenfalls ins einschlägige Bild. Da ist einerseits die rechte YouTuberin und Aktivistin „Charlotte Corday“ – in der Szene ist sie mit rund 44.000 YouTube-Abonnent:innen eine große Nummer. Auf YouTube macht „Corday“ auch bezahlte Werbung für Blitzwissen („Blitze gehen immer rein“) Und als Werbeslogan behauptet sie, dass eine Blitzwissen-Mitgliedschaft wichtig für „die eigene Bildung“ wäre. Naja.

„Corday“ heißt allerdings nicht wirklich so: Laut antifaschistischen Recherchen ist ihr echter Name Nina Charlotte Hörig. Doch Hörigs Pseudonym ist gleichzeitig enorm bezeichnend. Denn die echte Charlotte Corday war eine französische Adelige.

Während der französischen Revolution ermordete sie Jean Paul Marat – den vermutlich wichtigsten Führer des linken Flügels der revolutionären Jakobiner. Für diesen Mord wurde Corday hingerichtet. Auf YouTube gibt sich Hörig gerne intellektuell. Welche Gefahr dahinter steckt, zeigt ihr Pseudonym.

AfD-Fan und „Effizienzfanatiker“

Und schließlich ist da noch das dritte Werbegesicht von Blitzwissen: der rechte Agitator Feroz Khan. Für einschlägige Kreise ist Khan als Sohn pakistanischer Migrant:innen ein Geschenk: Wenn er auf YouTube die klassischen „Talking Points“ der Szene bedient, können sich extreme Rechte auf die Schenkel klopfen: „Sogar der Typ gibt uns recht“.

Das Geschäftsmodell funktioniert: Über 250.000 Personen folgen Khan auf YouTube, damit ist eines der wichtigsten Gesichter der Szene. Auch Khan macht auf YouTube Werbung für die Plattform. Blitzwissen sei für ihn „als Effizienzfanatiker“ auf langen Autofahrten „nicht mehr wegzudenken“. Was bei Khan ebenfalls nicht wegzudenken ist: Seine Agitation für Rechtsaußen.

Der Österreicher, der heute hinter Blitzwissen steckt

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Aufgebaut wird Blitzwissen ab 2023 von Erik Ahrens, bald steigt der Österreicher Stephan Tobias Kreuzwirt ein. Anfänglich hält Ahrens an der Firma 77,5 Prozent, auf Kreuzwirt entfallen 22,5 Prozent. Laut Ahrens hätten die beiden die Firma bei der offiziellen Gründung im Juni 2024 mit insgesamt 450.000 Euro bewertet. Damit hätte sich Kreuzwirt mit 100.000 Euro eingekauft. Auf eine Anfrage von mir dazu hat Kreuzwirt nicht reagiert.

Aus dem Jahresabschluss 2024, der mir vorliegt, lässt sich die angebliche Gesamtbewertung von 450.000 Euro nicht ablesen. Doch tatsächlich gibt es Kapitalrücklagen von rund 118.000 Euro. Sagen wir mal so: 450.000 Euro wären eine sportliche Bewertung. So viel Geld muss mal reinkommen.

Über Ahrens habe ich euch ja schon erzählt. Über Kreuzwirt ist dagegen wenig bekannt, laut Ahrens ist er Ende 20. In der Öffentlichkeit dürfte sich Kreuzwirt sehr bewusst zurückhalten: im Netz ist gerade einmal ein (kaum erkennbares) Foto auf der Karriereplattform LinkedIn verfügbar. Mir liegen weitere Fotos und Informationen vor, die aus rechtlichen Gründen hier nicht gezeigt und genannt werden.

„Burschenschafter und Biersäufer“

Laut Ahrens treffen sich die beiden in einem bekannten Wiener Kaffeehaus. „Das war praktisch, weil das Kaffeehaus den Eltern von Kreuzwirt gehörte. Dort haben wir dann die ganzen Notarsachen gemacht“, so Ahrens. Der Name des Kaffeehauses ist mir bekannt. Politisiert hätte sich Kreuzwirt über Videos von Identitären-Gesicht Sellner. Doch die „Burschenschafter und Biersäufer“ bei der Truppe hätten Kreuzwirt nicht gefallen, so der Eindruck von Ahrens. Auf eine Anfrage von mir dazu hat Kreuzwirt nicht reagiert.

Ahrens selbst ist dann im Herbst 2024 aus Blitzwissen ausgestiegen. Nach eigenen Angaben, weil er so schnell wie möglich „raus aus Österreich“ wollte. Denn damals war durch eine Recherche von Hope not Hate bekannt geworden, dass Ahrens davon fantasierte, eine neue SS zu gründen. „Ich hatte Angst, dass man mich in Wien wegen Wiederbetätigung in U-Haft nimmt“, so Ahrens.

Internationale Expansion

Deshalb hätte er seine Mehrheitsbeteiligung an Blitzwissen „für einen Spottpreis“ an Kreuzwirt verkauft, sagt er. Damit ist Kreuzwirt nun der Alleineigentümer von Blitzwissen. Um noch mehr Geld zu machen, bleibt Blitzwissen nicht auf den deutschsprachigen Raum beschränkt.

Für die englischsprachige Welt gibt es die Seite „Liegent“, Werbeslogan: „Für unabhängige Denker“. Für den französischsprachigen Raum wird „IdeoChoc“ aufgebaut. Ausrichtung und Aufbau entsprechen jeweils der deutschsprachigen Ausgabe. IdeoChoc sitzt in Brüssel, Ahrens war nach eigenen Angaben geschäftlich involviert. Und der offizielle Firmensitz der Firma „Liegent LLC“ ist im US-Bundesstaat Wyoming – nach eigenen Angaben war Ahrens der CEO.

Dubiose Konstruktionen

Die Anschubfinanzierung kam laut Ahrens von einem einschlägig bekannten Rassentheoretiker mit besten Verbindungen in die USA. Laut Ahrens hielt der Mann dann auch Anteile, sein Name ist mir bekannt. Im Firmenbuch von Wyoming lässt sich das allerdings nicht unabhängig verifizieren.

Denn der US-Bundesstaat ist bekannt für enorm lockere Firmenregistrierungen, wo kaum Informationen öffentlich werden – besonders geeignet zur Verschleierung von Eigentümerstrukturen. Wohl ein wesentlicher Grund, warum gerade diese Firmenkonstruktion gewählt wurde.

Sowohl IdeoChoc wie Liegent sind weiterhin online, Ahrens ist nach eigenen Angaben nirgends mehr beteiligt. Doch gleichzeitig zeigen diese Verbindungen, wie tief die Blitzwissen-Gründung in internationale rechte Zusammenhänge eingebunden wurde.

Eine Spur führt nach Kärnten

Eine weitere mögliche Person im Blitzwissen-Netzwerk ist ebenfalls kein Unbekannter: Über mehrere Jahre trat Patrick Lenart gemeinsam mit Martin Sellner als Co-Sprecher der österreichischen Identitären auf. Laut Ahrens sei er es gewesen, der die Programmierung von Liegent geschrieben hat.

Heute betreibt Lenart in der Kärntner Gemeinde Griffen eine Werbeagentur. Der Code von Liegent wäre dann auch für Blitzwissen verwendet worden, sagt Ahrens. Auf eine Anfrage von mir dazu hat Lenart nicht reagiert.

Sicher ist, dass Lenart in einer weiteren Firma involviert war: Gemeinsam mit Sellner betrieb er die Firma „Phalanx Europa“, den Merchandising-Shop der Identitären. Auch hier ist bezeichnend, dass Privatpersonen als Eigentümer auftreten und damit auch die Profite einstreifen.

Der Verbindungsstudent Lenart (Fliegerschaft Wieland-Staufen Graz) stieg dann allerdings um 2018 bei den Identitären aus – laut Ahrens soll es auch um Geld gegangen sein. Auf eine Anfrage von mir dazu hat Lenart nicht reagiert. Doch aus der rechten Szene ist Lenart nicht ausgestiegen, ganz im Gegenteil.

„In Cash und in Krypto“

Spätestens nach seinem Rückzug bei den Identitären dockte Lenart beim heutigen Freilich-Magazin an, einer FPÖ-nahen Plattform. Herausgeber: Der ehemalige Grazer FPÖ-Gemeinderat Heinrich Sickl. Sagen wir so: Weit hat sich Lenart ideologisch damit nicht von den Identitären entfernt: Sickl selbst war bis 2019 sogar der Vermieter der Identitären-Zentrale in Graz.

Eine weitere Leidenschaft von Burschenschafter Sickl sind übrigens gemeinsame Geschäfte mit dem Fußballer Martin Hinteregger. Nach dem Erscheinen meiner Recherche beendete Hinteregger 2022 seine Karriere im österreichischen Nationalteam und bei Eintracht Frankfurt. Mit Sickl blieb er dagegen weiter verbunden. Alles darüber habe ich hier für euch aufgeschrieben. Doch zurück zu Lenart!

Denn hier sollen beträchtliche Summen im Spiel gewesen sein. Laut Ahrens hätte Lenart für seine Arbeit an der Seite rund 30.000 Euro bekommen: „Er wollte die Hälfte in Cash, die andere Hälfte in Krypto-Währungen. Ich bin extra aus Potsdam mit dem Zug nach Kärnten gefahren, um ihm das Geld überreichen“, so Ahrens. Ich habe auch bei Lenart nachgefragt, ob diese Darstellung stimmt. Auf eine Anfrage von mir dazu hat Lenart, erraten, nicht reagiert.

Kreuzwirt baut das Blitzwissen-Netzwerk immer weiter aus

Blitzwissen wird währenddessen in der einschlägigen Szene immer aktiver. So wird Ende Oktober in sozialen Medien ein dreitägiger rechter Kongress namens „Karlstage“ angekündigt, der im April 2026 in Deutschland stattfinden soll. Einer der Hauptredner: der berüchtigte britische Rassentheoretiker Edward Dutton. Hauptsponsor der Veranstaltung: Blitzwissen. Da steckt inzwischen also richtig viel Geld dahinter.

Seit August 2025 hat Blitzwissen auch eine eigene App – und die ist ganz offiziell in den App Stores von Google und Apple. Laut Ahrens ein Quantensprung: „Damit ist Kreuzwirt der Einzige im rechten Lager, der ein Produkt mit einer App hat, die auch in den App Stores ist. Und damit ist auch der Einzige, der YouTube für die Szene wirklich monetarisieren kann. So könnte er zu einem der mächtigsten Männer in der rechten Szene werden.“

Ahrens sagt, Kreuzwirt sei mit Blitzwissen „die Spinne im Netz“ der extremen Rechten. Ob es tatsächlich so kommt, wissen wir nicht. Doch was sicher ist: Wir sollten da sehr genau hinsehen.

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