Die neofaschistische Gruppe Identitäre verwendet in Österreich inzwischen zahllose Tarnnamen – regelmäßig fallen Medien und Antifaschist*innen darauf rein. Hier sind alle Namen, die die Gruppe verwendet!

Es ist ein durchschaubarer Trick. Anstatt immer den gleichen Gruppennamen zu benutzen, werden auf einmal zahlreiche unterschiedliche Begriffe verwendet. So wird Größe suggeriert, so wird eine breitere Bewegung vorgespielt. Bei der neofaschistischen Gruppe Identitäre liegt dieses Verhalten quasi schon in den Genen: Offiziell nennt sich die Gruppe ja selbst “Identitäre Bewegung”.

Doch eine solche “Bewegung” gab es niemals: Real sind es immer die gleichen paar Dutzend Personen, die unter immer neuen Namen auftreten. Was sich allerdings in den vergangenen Jahren tatsächlich mehrmals verändert hat, ist der öffentliche Auftritt der Gruppe.

Dahinter aber stecken jeweils strategische Neuorientierungen: In der Gründungsphase ab 2012 traten die Identären vor allem als jugendlich geprägte Propagandatruppe auf. Später versuchte die Gruppe über einige Zeit, auch ältere Personen in parteiartigen Strukturen zu organisieren. Ein zentrales Vehikel dazu war ihre Frontorganisation “Die Österreicher” (D05).

Offen militantes Auftreten

Seit Mitte 2021 gilt nun aber wieder die neue (alte) Strategie: Zielgruppe seien jetzt „junge, sportliche Männer”, wie Gernot Schmidt, ein Wiener Sprecher der Identitären, gegenüber der extrem rechten Plattform „Ein Prozent” erklärte. Stark in den Focus rücken damit etwa rechtsoffene Fußballmilieus. Entsprechend hat sich auch der öffentliche Auftritt der Gruppe angepasst.

So tritt die Truppe in Wien – vor allem bei den Corona-Aufmärschen, aber auch bei eigenen Aktionen – inzwischen vermummt mit weißen Schlauchschals, roten Basecaps und Knüppelfahnen auf. Damit zeigt die neofaschistische Gruppe jetzt ihre Militanz inzwischen weit offener als noch vor einigen Jahren.

Sammelpunkt der Gruppe Identitäre für den Corona-Aufmarsch am 18.01.2022 vor dem Wiener Heldentor. Mit grauer Jacke rechts mit Fahne: Jakob Gunacker, Ex-Sprecher von D05, im Hintergrund mit Megaphon: Martin Sellner. Bild: Michael Bonvalot

Es wäre nicht mehr zeitgemäß, wenn alle Sympathisant*innen der Gruppe offen und erkennbar auftreten würden, erklärt Identitären-Gesicht Martin Sellner sinngemäß in verschiedenen (teils sehr langatmigen) Beiträgen. Tatsächlich ist der “neue” Auftritt vor allem ein Rückfall in die alten Muster der Neonazi-Strömung “Autonome Nationalisten”.

Dort hatten sich manche Kader der Gruppe ihre ersten Sporen verdient haben. Gleichzeitig deutet die Rückkehr zu den Ursprüngen darauf hin, dass die Versuche, über D05 neue Schichten zu erreichen, wohl nicht wahnsinnig erfolgreich waren.

Sobald es “hart auf hart” geht, bleibt vom neuen militanten Auftreten allerdings wenig über. So trat die Truppe etwa beim Corona-Aufmarsch in Wien am 08.01.2022 zu Beginn sehr martialisch und mit großem Leitbanner auf. Der Slogan auf dem Banner: “An uns bricht eure Nadel”.

Der Corona-Aufmarsch am 18.01.2022, kurz nachdem die Polizei gekessel hat. Martin Sellner (rechtsaußen), Brittany Sellner (mit Rucksack) und Gernot Schmidt (mit Megaphon). Jetzt mit FFP2-Masken. Bild: Michael Bonvalot

Als die Polizei allerdings kurz darauf am Ring die Marschspitze in einem sehr lockeren Kessel festhielt, zog sich die Gruppe sofort an eine Hauswand zurück. Und die Kader rund um Identitären-Gesicht Martin Sellner, Brittany Sellner, Ex-D05-Sprecher Jakob Gunacker oder den Burschenschafter Gernot Schmidt setzten brav ihre FFP2-Masken auf.

Hier sind alle Tarnnamen, die die Gruppe verwendet!

Aktion Solidarität: Mit diesem Namen versucht die Truppe ab August 2022 in Deutschland und Österreich, die Bewegung gegen Teuerungen zu unterwandern.

Aktivismus Wien / Aktivistengruppe Wien: Ein Kanal der Gruppe zur Verbreitung von Propaganda. Unter diesem Namen produziert die Gruppe auch Aufkleber. Die Zugehörigkeit zur Gruppe Identitäre wird dabei teils auch ganz offen gezeigt. So gibt es etwa Aufkleber mit Slogans wie “Identitäre Zone – Wien bleibt unsere Stadt”.

Castell Aurora: Ein öffentliches Zentrum der Gruppe im oberösterreichischen Steyregg. Das Zentrum liegt nahe der Donau unmittelbar gegenüber der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz. Finanziert wurde das Zentrum über “Schanze Eins”, eine Finanzierungsplattform der Gruppe im deutschsprachigen Raum mit Sitz in Rostock.

Weitere Zentren in Österreich hat die Gruppe in der Steiermark  ➡️ Kulturverein Kreidfeuer sowie in Wien in der Ramperstorffergasse 31. Hier könnt ihr meinen Bericht über das Wiener Zentrum der Gruppe lesen.

Die Österreicher (D05), dazu Die Wiener, Die Steirer, etc. Die selbst ernannte “Bürgerbewegungwar ab 2020 die Frontorganisation der Gruppe. Mit diesem Namen gab es auch Treffen und Veranstaltungen. Seit dem Verbot des D05-Symbols (gemeinsam mit dem IB-Symbol) in Österreich im Juli 2021 wird der Name kaum mehr verwendet.

Eisenfaust – Nonkonforme Ästhetik: Der aktuell – gemeinsam mit “Aktivismus Wien” – zentrale Kanal der Gruppe zur Verbreitung von Propaganda.

Heimatkurier: Ein Medienprojekt der Gruppe, wo unter anderem Berichte über Corona-Aufmärsche und Aktionen der Gruppe veröffentlicht werden.

Kontrakultur: Ein Tarnname, den die Gruppe zeitweise für ihre Auftritte auf Facebook und Insta verwendet(e), nachdem Seiten mit dem Namen “Identitäre” gelöscht wurden. Bis heute gibt es etwa einen Insta-Kanal “Kontrakultur Salzburg”, der inzwischen allerdings nicht mehr bespielt wird (der Salzburger Ableger der Gruppe dürfte insgesamt weitgehend zusammengebrochen sein).

Angelehnt ist der Name an die Gruppe “Kontrakultur Halle” in Sachsen-Anhalt. Die war zeitweise einer der wichtigsten Ableger der Identären mit einem eigenen Zentrum gleich gegenüber der Universität. Ihr Zentrum in Halle hat die Gruppe allerdings Ende 2019 unter beständigem antifaschistischen Druck verloren.

Kvltgames: Ein Projekt zur Herstellung einschlägiger Computerspiele mit Sitz im Zentrum “Castell Aurora”. Dieses Projekt sichert dabei auch zusätzliche Finanzierungen: So hat Roger Beckamp, Abgeordneter der extrem rechten Afd im Landtag von Nordrhein-Westfalen, ein Stipendium von 500 Euro im Monat über ein Jahr hinweg – also ingesamt 6.000 Euro – für Kvltgames ausgelobt.

Kulturfestung, auch Kulturverein Kreidfeuer: Ein öffentliches Zentrum der Gruppe in einem Dorf in der steirischen Gemeinde Markt Hartmannsdorf, rund 30 Kilometer östlich von Graz.

Patriot Peer: Der Versuch der Gruppe Identitäre ab 2017, eine Art Fascho-Tinder aufzubauen. Die Veröffentlichung wurde immer wieder angekündigt und dann verschoben. Inzwischen ist von diesem groß angelegten Projekt schon lange kein Wort mehr zu vernehmen. Der Versuch ist offenbar gnadenlos gescheitert – nachdem zuvor laufend Spenden eingesammelt wurden. Die Neonazi-Konkurrenz nennt die Identitären seither “Paytrioten”.

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Patrioten in Wien, Graz, Linz, Salzburg, Kärnten, … Verschiedene Kanäle der Gruppe auf Telegram, die als “patriotische Regionalgruppen” auftreten. Das gleiche Konzept gibt es für verschiedenste Städte in Deutschland, teils auch unter den Namen “Freie Patrioten” oder “Heimatliebe”. Über einen gewissen Zeitraum wurde hier offenbar versucht, via Telegram zu rekrutieren – inzwischen sind die meisten Kanäle allerdings weitgehend tot.

Patriotisches Weinviertel: Eine Gruppe, die dem Milieu der Identitären zuzurechnen ist und versucht, sich regional im niederösterreichischen Weinviertel aufzubauen. Am 10. September 2022 trat die Truppe bei einem Aufmarsch der Identitären in Wien mit einem eigenen Transparent auf.

Widerstand in Bewegung / Patrioten in Bewegung: Diese beiden Namen hat die Gruppe zeitweise verwendet, inzwischen dürften diese Tarnbegriffe aber zumindest in der Bundeshauptstadt durch “Aktivismus Wien” abgelöst worden sein. Auf Aufklebern mit Werbung für einen gleichnamigen Instagram-Kanal der Gruppe wurde auch das Lambda-Symbol der Gruppe Identitäre gezeigt.

Wiener Wehrmänner: Nach dem Verbot der Symbole der Gruppe Identitäre sowie von D05 ist die Gruppe zeitweise unter diesem Namen aufgetreten, meist mit roten Basecaps und Schlauchschals. In letzter Zeit wird der Name öffentlich weniger verwendet.

Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Vielzahl der verschiedenen Namen auch die Identitären selbst verwirrt. Wir können davon ausgehen, dass die Faschist*innen vor jeder Aktion zuerst mal nachfragen müssen, wie sie heute heißen. Doch immer wieder sind auch Journalist*innen und Aktivist*innen von dieser Vielzahl an verschiedenen Namen überfordert. Sie sprechen dann gern von Abspaltungen oder Splittergruppen der Identitären. Doch das ist Unsinn.

Tatsächlich sind all diese Namen letztlich Schall und Rauch. Es handelt sich immer um Tarnnamen und Frontorganisationen der Gruppe Identitäre selbst. So will die Gruppe sich größer darstellen, als sie ist. Darauf muss niemand hereinfallen.

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

 

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