Ich wollte zum „Tag der offenen Tür“ beim rechten Verschwörungssender RTV. Doch die Tür blieb für mich verschlossen.
Gerade erst durfte die Welt erleben, wie es kritischen Journalist:innen ergeht, wenn sie Fragen außerhalb des Protokolls stellen – so wie jüngst beim Treffen von Donald Trump und Xi Jinping in China. Prompt wurde die Riege der westlichen Medienvertreter:innen in einen dunklen Saal gedrängt und dort einige Zeit eingesperrt – als Lektion für unangenehme Fragen.
- Ein Bericht von Philipp Gartlehner
So schlimm ist die Situation hierzulande glücklicherweise nicht, wenn auch der regionale Pressefreiheitsindex in Garsten bei Steyr schon bessere Zeiten erlebt haben muss. Zumindest wurde mir am 22. Mai erspart, in einer Garage im oberösterreichischen Garsten bei Wasser und Brot Buße tun zu müssen:
Ich wurde nämlich vom Tag der offenen Tür beim Garstner Sender „RTV Privatfernsehen e.U“ ausdrücklich ausgeladen – trotz vorbildlicher Anmeldung per Mail an RTV in der Woche vor dem Event. Dabei hatte RTV noch extra mit den Worten geworben: „Wir freuen uns auf Ihren Besuch!“.
Laut RTV-Juniorchef Nicolas Schott seien dann „rund 300 Interessierte“ der Einladung gefolgt und hätten die Veranstaltung zu einem „vollen Erfolg“ gemacht. Das behauptet zumindest Schott in der Nachberichterstattung auf RTV. Im Bericht selbst ist von „hunderten“ Besucher:innen die Rede, die „begeistert“ gewesen wären. Selbst konnte ich es ja nicht überprüfen. Doch sagen wir so: Auf den Bildern, die RTV selbst veröffentlicht, sind eher keine 300 Personen zu sehen.
Schwestersender der FPÖ
Die Plattform verbreitet in Oberösterreich und im Netz regelmäßig extrem rechte und verschwörungsideologische Inhalte. Deutliche personelle Überschneidungen gibt es zu Parteimedien der FPÖ: RTV kann als terrestrisch-übertragender Schwestersender von FPÖ TV und dem neuen FPÖ-Radio „Austria First“ gelten.
Die abschlägige Antwort auf meine Anfrage kam auch nicht wirklich überraschend: Angefragt hatte ich für die Plattform „E-Steyr“. Doch seitens RTV hieß es, „E-Steyr“ würde zu „negativ und rufschädigend“ berichten, weshalb man an so einem „Tag der offenen Tür“ uns dort nicht empfangen möchte. Sehr offen sind die Türen also scheinbar doch nicht.
Wo der frühere Regionalsender RTV politisch tatsächlich steht, zeigt ein näherer Blick auf die Mediathek von RTV – genauer gesagt auf die Sendung „RTV Aktuell“, dem eigentlichen News-Format des Senders: Da ich mich auf meinen Besuch in Garsten vorbereiten wollte, habe ich die jüngsten 100 Beiträge von RTV einzuordnen versucht.

Einerseits in geografische Räume, aber auch hinsichtlich politischer Gewichtung. Dazu habe ich alle Beiträge in Tabellenform gebracht: Mit dem RTV-Beschreibungstext der jeweiligen Sendung, dem dazugehörigen Link und Schlagwörtern – also in höchstem Maße datengetrieben und ohne qualitative Bewertung.
Das Resultat: Von den untersuchten 100 Beiträgen zwischen Mitte April und Mitte Mai 2026 drehten sich 49 Beiträge um die FPÖ, 12 Beiträge behandelten regionale Themen (ebenso mit der FPÖ oder RTV in der Hauptrolle) und 39 Beiträge konnten keiner Kategorie zugeordnet werden, waren also „überregional“ und ohne konkreten parteipolitischen Bezug.

Interessant wäre, wie all dies zur ausgegebenen Senderlinie passen soll – und in weiterer Folge zur Sendelizenz und den Förderrichtlinien der KommAustria und der Medienbehörde RTR: Dort wird nämlich festgehalten, dass RTV Privatfernsehen ein regionaler Sender sei. Damit sollten wohl mehr als gerade mal ein Zehntel der Beiträge das von RTV bespielte Sendegebiet behandeln.
Der angebliche „Anti-System“-Sender kassiert Geld vom Staat
Außerdem wird RTV seit Jahren staatlich über die Privatrundfunkförderung gefördert. Dort gibt es zwar seitens der RTR keine qualitativen Kontrollen – aus durchaus verständlichen Gründen, wenn einem Pressefreiheit ein hohes Gut ist. Es gibt aber dennoch Richtlinien und einen Förderzweck:
Konkret ist der Zweck der Privatrundfunkförderung die Förderung von „Information und Bildung zur Förderung von Medienkompetenz“ (laut KommAustria Gesetz, §30 KOG) und zwar „in Form von lokalen oder regionalen Inhalten aus weiten Teilen Oberösterreichs“, wie man auf den Webseiten von RTR und KommAustria und der dort veröffentlichten Sendelizenz von „RTV Privatfernsehen e.U.“ entnehmen kann.

Was ebenfalls auffällt: Die Nähe von RTV zur FPÖ: Immerhin sind seit Jänner 2026 drei RTV Redakteur:innen gleichzeitig Redakteur:innen beim FPÖ-Radio „Austria First“: Nicolas Schott, gleichzeitig Juniorchef von RTV, Vera Schott (ja, RTV ist ein Familienbetrieb) sowie Christian Karan. Die Überschneidungen lassen sich über die Websites von RTV und Austria First sehr einfach nachvollziehen.
Und gleichzeitig kommt dann jeder zweite Beitrag von RTV einer mehr oder weniger versteckten FPÖ-Presseaussendung gleich. Was für ein Zufall!
Es geht um richtig viel Geld
Und das alles wird mit enormen Summen gefördert: Im Februar 2026 hat standpunkt.press recherchiert, dass Österreich bereits zumindest rund 700.000 in den rechten Verschwörungssender gepumpt hat. Diese Recherche könnt ihr hier lesen.
RTV wird seit Jahren im Bundessektenbericht der Sektenstelle, im Rechtsextremismusbericht des DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes) und seit 2025 auch im Verfassungsschutzbericht des Inlandsgeheimdienstes DSN behandelt. Interessant wird dabei sicherlich auch der Bericht im nächsten Jahr – immerhin könnten dann auch die engen Verbindungen von RTV und FPÖ bereits ein Thema sein.
Und schließlich stellen sich noch zwei Fragen: Warum wird der rechte Verschwörungssender RTV weiterhin mit Steuergeld gefördert? Und wann wird das endlich gestoppt?
Dieser Beitrag erschien zuerst auf E-Steyr und wurde für die Veröffentlichung auf standpunkt.press gemeinsam mit dem Autor umfangreich bearbeitet und ergänzt.
Diese Recherche war viel Arbeit. Bitte unterstütz jetzt kritischen Journalismus!
Auf standpunkt.press gibt es keine Werbung und keine Paywall. Standpunkt.press wird ausschließlich mit Deinem Monatsabo und Deiner Spende finanziert. Schon ab fünf Euro im Monat leistest Du einen wichtigen Beitrag. Bitte hilf jetzt. Vielen Dank!
• Spendenkonto – monatlich/einmalig:
AT69 1900 1002 2802 1111
BIC: TRBKATW2XXX
TR Bank Wien
Kontoinhaber: Michael Bonvalot
(Bitte die Mailadresse als Verwendungszweck, damit ich Dich bei technischen Fragen erreichen kann!)
• Kreditkarte und Paypal – monatlich/einmalig:
• Steady – monatlich: Klick hier für Steady!
[Steady zieht hohe Gebühren ab, Bank/Paypal ist daher besser, wenn es Dir möglich ist!]
• Patreon – monatlich: Klick hier für Patreon!
[Patreon zieht hohe Gebühren ab, Bank/Paypal ist daher besser, wenn es Dir möglich ist!]
Vielen Dank für Deine Unterstützung!



