Ein deutscher Rechtsaußen-Versand produziert Merchandising mit der Aufschrift „Deutscher Meister 41 Rapid Wien“, ein bekannter Neonazi macht den Werbeträger. Jetzt reagiert der Verein.

Sportlich ist die Saison 2025/26 für Rapid gar nicht nach Wunsch gelaufen. Trotz enorm teuren Kaders nur Platz 5, in der Abschlusstabelle hinter dem Erzrivalen Austria Wien, den internationalen Startplatz auf den letzten Drücker erreicht. Und zum Drüberstreuen ein – mutmaßlich teurer – Trainerwechsel mitten in der Saison.

Dazu kommen Konflikte in der Fanszene, vor allem zwischen der alteingesessenen Führungsgruppe „Ultras Rapid“ (UR) und den ebenfalls Ultra-orientierten Fanclubs Lords Rapid und Green Lions (oft verkürzt zu L/L). Immer wieder eskaliert seither die Lage, es fliegen – teils buchstäblich – die Fetzen.

„Deutscher Meister 41 Rapid Wien“

Und nun gibt es auch noch zunehmende Probleme mit extrem rechten Parolen – und sogar mit Neonazis. Ende Mai stellte der deutsche Rechtsaußen-Versand „Hermelin“ neue Produkte aus der Serie „Heureka“ vor. Die Aufschrift: „Deutscher Meister 41 Rapid Wien“. Im Angebot: Shirts und Schlüsselanhänger mit Merch für den Verein aus Hütteldorf.

Bild: Michael Bonvalot

Auf der Vorderseite des Shirts ist dazu Werbung für die Rechtsrock-Band „The Hoizers“. Die hat auch noch einen gleichnamigen Song veröffentlicht – der Text besteht im Wesentlichen aus der Parole „Deutscher Meister 41 Rapid Wien“, ergänzt mit kaum verständlichem Gegröhle. Auch ein einschlägiger Werbeträger ist mit von der Partie: In sozialen Netzwerken werden Fotos des bekannten deutschen Neonazis Thomas „Tommy“ Frenck mit Rapid-Shirt veröffentlicht.

„Reichsbräu“, „Reichskaffee“, Rapid

Frenck betreibt in Thüringen den Nazi-Treffpunkt „Eiserner Löwe“, wo offenbar auch das Fotos mit dem Rapid-Shirt aufgenommen wurde. Auf dem Bild ist jedenfalls das Logo des Lokals gut zu erkennen. Über die Ausrichtung gibt es wenig Zweifel.

Zum Trinken gibt es in Frencks Lokal laut Homepage „Deutsches Reichsbräu“ oder „Reichskaffee“. Die Bar ist nach der mörderischen Wehrmachts-Einheit „Afrika-Korps“ benannt (auch Putins Söldner in Afrika nennen sich übrigens „Afrika-Korps, hier habe ich das für euch aufgeschrieben).

Und Frencks „Warenhaus“ heißt „Druck18“. „18“ ist ein bekannter Code der Nazi-Szene: Die Zahlen 1 und 8 entsprechen im Alphabet den Buchstaben A und H, 18 steht damit für Adolf Hitler.

Bei „Druck18“ werden dann Shirts mit Aufschriften wie „Alles hat ´nen Haken, nur das Kreuz hat vier“ verkauft. Damit es auch wirklich alle verstehen, ist dazu ein „Reichsadler“ aufgedruckt. Dort, wo im NS-Regime das Hakenkreuz unter dem Adler war, ist ein leerer Kreis.

Dann gibt es auch noch ein weiteres Werbebild, es zeigt zwei Männer mit dem Rapid-Shirt. Der rechte Mann im Bild hat dabei ein auffälliges Tattoo.

Eine Recherche im Netz zeigt: Der Mann im Bild gleicht einem bekannten deutschen Neonazi wie ein Ei dem anderen: Robin Schmiemann, der in Dortmund jüngst vor Gericht stand. Der Vorwurf: Er hätte gemeinsam mit drei anderen Personen trotz Verbot das konspirative Netzwerk „Combat 18“ in Deutschland organisiert. „C18“ ist eine internationale neonazistische Terrorgruppe. Das Verfahren wurde im Februar 2026 absurderweise gegen Geldstrafen von jeweils 500 Euro vorläufig eingestellt.

Was haben deutsche Nazis mit Rapid zu tun?

Ebenso einschlägig ist der Hermelin-Versand, wo nun das Rapid-Shirt herausgebracht wurde. Dort gibt es etwa ein Shirt mit der Aufschrift „Arisches Ethos“ oder eines mit der Aufschrift „Festung Budapest“, wo die Nazi-Wehrmacht und verbündete ungarische Faschist:innen abgefeiert werden.

Doch wie kommt ein deutscher Rechtsaußen-Versand aus Freinsheim in Rheinland-Pfalz auf die Idee, Merch gerade für den Wiener Verein Rapid zu produzieren? Es gibt eigentlich nur zwei logische Erklärungen – die sich nicht gegenseitig ausschließen müssen.

Der Versand weiß, dass es entsprechenden Bedarf in der Fanszene von Rapid gibt. Oder/und Personen mit Naheverhältnis zu Rapid haben um die Produktion gebeten und entsprechenden Absatz in Aussicht gestellt. Beide Erklärungen sind keine gute Nachricht für den SK Rapid.

Der Verein reagiert

Das einschlägige „Deutscher-Meister“-Merchandising musste der Versand allerdings bereits nach wenigen Tagen wieder offline nehmen. „Aufgrund einer markenrechtlichen Abmahnung“, wie es heißt. Auf meine Anfrage bestätigt Rapid-Pressesprecher Peter Klinglmüller, dass Rapid den Hermelin-Versand abgemahnt habe.

Denn Rapid verfügt über die Markenrechte am eigenen Namen. In der Abmahnung, die mir vorliegt, heißt es sinngemäß, dass Rapid mit rechtsextremen Inhalten nichts zu tun haben wolle und dafür nicht instrumentalisiert werden wolle. Ein guter und wichtiger Schritt des Vereins. Es gibt allerdings noch viel mehr Probleme.

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Rechte Schlagseite

Offiziell gibt sich die Rapid-Fankurve „Block West“ unpolitisch. An sich bereits eine Illusion: Polizeirepression, Ticketpreise, homophobe und sexistische Sprechchöre – all das ist politisch. Und tatsächlich funktioniert das Spiel meist so: Homophobe Sprechchöre? „Das war schon immer so“. Kritik daran? „Hör auf mit Politik.“ Es ist äußerst durchschaubar. Und billig.

Fast trotzig besteht die Mehrheit der aktiven Fanszene dabei auf ihrer Homophobie. So werden weiterhin bei jedem Derby gegen die Austria die notorischen „Schwuler FAK“-Sprechchöre vom Vorsängerpult angestimmt. Auch zuletzt wieder beim Derby am 10. Mai 2026. (Hinweis: Hier werden Twitter/X-Links eingebunden. Leider ist die Einbindung von Bluesky-Links derzeit technisch nicht möglich, an einer Lösung wird gearbeitet.)

Die organisierte violette Fanszene dagegen hat solche Chants inzwischen abgestellt. Ende Mai machte die führende Fangruppe „Ultras Rapid“ dann sogar einen angeblichen „Diversitätswahn“ für die sportlichen Misserfolge verantwortlich.

Rapid und die Diversität

Im UR-Fanzine „Go West“ hieß es dazu, dass das Rapid-Präsidium sich auf „irgendwelche woken Themen“ konzentrieren würde, die nur beim „sinnlosen Songcontestpublikum von Relevanz“ wären. Und das Rapid-Präsidium bestünde aus „Ahnungslos*innen“.  Die Parolen könnten 1:1 aus einer Aussendung der FPÖ stammen.

Dabei hatte Rapid überhaupt erst nach einem einschlägigen Skandal die Diversitäts-Expertin Elisabeth Overbeeke an Bord geholt: Im Februar 2024 hatten der damalige Rapid Co-Trainer Stefan Kulovits sowie die Spieler Guido Burgstaller und Marco Grüll (inzwischen Werder Bremen) die homophobe Parole „Wir sind keine arschwarmen Veilchen“ gegen die Austria angestimmt.

Bild: Michael Bonvalot

Die mediale Berichterstattung – und wohl auch der Druck von Sponsoren – führten dann im September 2024 zur Einrichtung einer neuen „Stabstelle für Diversitätsmanagement und Nachhaltigkeit“. In der aktiven Fanszene der Grünen hat das offenbar bisher wenig bewirkt. Es scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein.

Lauter rechte „Einzelfälle“

Und die homophobe und auch weit rechte Schlagseite ist kein Einzelfall. Immer wieder tauchen in Wiens Stadtbild einschlägige Parolen und Aufkleber auf. Etwa Aufkleber mit der Parole „Wien hasst Homos“ gegen die Austria oder Sticker mit einer Südstaaten-Fahne im Rapid-Design. Schließlich ist der immer wieder aufkeimende Antisemitismus bei Rapid notorisch, die Austria wird bis heute von vielen als „die Juden“ beschimpft.

Dem Vernehmen nach versuchten zuletzt auch Nachwuchs-Neonazis der Gruppe „Division Wien“ bei Rapid anzudocken. Dass sich der deutsche Rechtsaußen-Versand „Hermelin“ gerade auf die Parole „Rapid Deutscher Meister 41“ fokussiert, ist ebenfalls kein Zufall.

Denn dieser Meistertitel im NS-Regime wird von vielen Rapid-Fans bis heute oft völlig unkritisch abgefeiert – ausgeblendet wird dabei nicht nur das NS-Regime an sich, sondern auch, dass die Nazis den Fußball damals steuern konnten. Etwa durch Finanzierung oder die Einberufung von Spielern zur NS-Wehrmacht.

Block West von Rapid im August 2022: Zaunfahne der mit Rapid befreundeten Ultras Nürnberg über dem „Fetzn“ der Ultras Rapid. Auf der Zaunfahne das Symbol der US-Südstaaten, also eines Staates von Sklavenhalter:innen.

Auch zum „Deutschen Meister“ gibt es Aufkleber in Wiens Stadtbild: In Frakturschrift wird der NS-Meistertitel abgefeiert. Und ganz zufällig ist der Pokal am Aufkleber in braun gehalten. Und noch 2016 zeigte die Rapid-Kurve beim Derby gegen die Austria eine riesige Choreo mit der Aufschrift „Fünfundsiebzig Jahre Deutscher Meister“.

„Fünfundsiebzig Jahre Deutscher Meister“

Rapid-Fans verweisen oft darauf, dass davor noch quer über die Kurve ein Banner mit einer (wichtigen!) Aufschrift gezeigt wurde: „Gewidmet Wilhelm Goldschmidt und allen Rapidlern die dem Dritten Reich zum Opfer gefallen sind.“Goldschmidt war der Namensgeber und erste Sekretär von Rapid, die Nazis haben ihn im Holocaust ermordet. Doch zu diesem Gedenkbanner gibt es unterschiedliche Erzählungen in der grünen Fanszene.

Bild: Michael Bonvalot

Eine davon: Die Choreo soll bereits lange vorbereitet gewesen sein (absolut plausibel, das Malen braucht Zeit). Das Gedenkbanner dagegen sei erst sehr kurzfristig und nach Interventionen hinzugefügt worden. Ob das so stimmt, ist nicht klärbar. Unrealistisch ist es nicht: Layout und Schriftbild des Gedenkbanner hatten keine Ähnlichkeit mit dem Layout der „Deutschen Meister“-Choreo. Und das ist ungewöhnlich – denn üblicherweise achten Fanszenen darauf, dass ihre Choreos aus einem Guss sind und die Teile aufeinander abgestimmt.

Wegschauen geht nicht mehr

Was allerdings ebenso klärbar wie eindeutig ist: Es gibt bei Rapid ein zunehmendes Problem mit rechten Parolen. Auch über diese Entwicklung berichte ich bereits seit Jahren. Lange war die Antwort – auch von vielen antifaschistischen – Rapid-Fans auf alle entsprechenden Hinweise: „Aber die Austria“.

Nun hatte die Austria über Jahre tatsächlich ein veritables Problem mit Nazis, ich habe oft dazu berichtet – nun allerdings blüht die violette Szene auf, seitdem mit der neuen Führungsgruppe KAI ein neuer Wind weht. Hier habe ich für euch alles dazu aufgeschrieben. Doch vor allem: „Die anderen auch“ war schon im Kindergarten eine richtig schlechte Ausrede. Echte Rapid-Fans sollten vor allem ein Interesse daran haben, dass beim eigenen Verein alles gut läuft.

Und spätestens, wenn sogar deutsche Neonazis auf den Rapid-Zug aufspringen, muss für alle antifaschistischen Rapid-Fans klar sein: Wegschauen und Kleinreden ist keine Option mehr.

Ergänzt am 09.06.2026 um Informationen zu Robin Schmiemann.

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