Menschen mit dünkleren Haaren werden in Wels ausgeschlossen – das Menschenbild in der FPÖ-regierten Stadt ist bezeichnend.

„Vorraussetzung: Blonde Haare“. So schreibt die FPÖ-regierte Stadt Wels einen Job als „Eisprinzessin“ aus. Bei so viel Blondheit ist dann offenbar auch noch der Rechtschreibfehler beim Wort „Voraussetzung“ niemandem aufgefallen.

Im Jänner 2026 soll in Wels die jährliche Eisbahn geöffnet werden. Für das Eröffnungsevent hat die Stadt am 14. Dezember via Facebook einen Job ausgeschrieben: Eine „Eisprinzessin“ wird gesucht. Vier Voraussetzungen werden für den Job genannt: Gut im Eislaufen, netter Umgang mit Kindern, zwischen 16 und 30 Jahren – und „blonde Haare“.

Screeshot: Facebook

Das Bild dazu könnte KI-generiert sein, es zeigt eine blonde und sehr hellhäutige Frau. Warum die Prinzessin unbedingt blond sein muss, wird leider nirgends erklärt. Doch böse Zungen könnten behaupten: Das Bild erinnert an klassische arisch-nationalistische Menschenbilder.

Immer wieder einschlägige Skandale

In Wels regiert bereits seit 2015 die FPÖ – die Stadt in Oberösterreich mit rund 65.000 Einwohner:innen ist damit die größte FPÖ-regierte Stadt in ganz Österreich. Und seitdem gibt es immer wieder einschlägige Skandale. So wird im Dezember 2024 ein Foto bekannt, das eine Sommerfeier des Welser Magistrats zeigt. Wie der Standard damals berichtet, hat einer der Männer auf dem Foto einen aufgeklebten Hitler-Bart – ein Kollege macht ihm auch noch den entsprechenden Seitenscheitel.

Kurz danach taucht ein weiteres Foto auf, auf dem vier Welser Magistratsmitarbeiter zu sehen sind. Es soll von der Weihnachtsfeier des Welser Magistrats vom 10. Dezember 2024 stammen. Einer macht ein Selfie, drei weitere zeigen Gesten in die Kamera: Einer der Männer reckt die rechte Hand mit drei Fingern in die Höhe, ein zweiter zeigt das Taucherzeichen für „OK“. Beide Gesten sind auch in der einschlägigen Szene bekannt.

Hitler-„Satire“ in Wels? Kein Problem für die Staatsanwaltschaft

Die drei Finger stehen für den Kühnen-Gruß, benannt nach dem deutschen Neonazi Michael Kühnen. Dieser Gruß wird in einschlägigen Kreisen als Ersatz für den verbotenen Hitlergruß verwendet. Der Mann, der den Gruß zeigt, soll laut Standard der gleiche sein, der beim Sommerfest als Hitler posierte.

Auch von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache existiert ein Foto, wo er in Burschenschafter-Montur die drei Finger zeigt. Strache rechtfertige sich später mit dem berühmt gewordenen Satz, er hätte doch nur „drei Bier“ bestellt. Und das „OK“-Symbol des zweiten Mannes wird in der Szene als Symbol für „White-Power“ verwendet. Laut OÖN ist der Mann FPÖ-Funktionär [Paywall]. Alles über diesen neuen White-Power-Gruß habe ich hier für Euch aufgeschrieben.

Der vierte Mann am Foto hat offenbar die rechte Hand ausgestreckt – was er genau tut, ist nicht erkennbar, da das Bild abgeschnitten ist. Ein Verfahren nach dem NS-Verbotsgesetz wird von der Staatsanwaltschaft Wels allerdings eingestellt.

Es hätte sich nur um „Satire“ und „Belustigung der Beteiligten“ gehandelt. Das berichtet die OÖN [Paywall]. Scharfe Kritik an der Einstellung dieses Verfahrens üben danach das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) und die Welser Initiative gegen Faschismus (Antifa).

Und der Welser Antifa-Vorsitzende Werner Retzl weist auf einen weiteren Umstand hin: „Dass Oberösterreichs Staatsschutzchef von mehreren Zeugenaussagen gesprochen hat, wonach sich der eine beteiligte Magistratsmitarbeiter – ein FPÖ-Funktionär – in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen mit Hitler-Gruß fotografieren hat lassen, wird von der Staatsanwaltschaft ignoriert.“

Blond wie eine Semmel

Um eine Situation umfassend einschätzen zu können, ist immer der Gesamtzusammenhang wichtig. Vielleicht glaubt die Stadt Wels ja tatsächlich, dass Eisprinzessinnen ausschließlich blond und äußerst hellhäutig sein können. Das Problem an dieser Betrachtung ist natürlich, dass es keine logische Begründung für diese Job-Voraussetzung gibt.

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Beziehen wir dazu noch mit ein, welche Personen inzwischen im Magistrat der Stadt Wels arbeiten – spätestens dann sollten wir hellhörig werden. Und in jedem Fall bleibt der Fakt: In der FPÖ-regierten Stadt Wels werden alle Menschen von diesem Job ausgeschlossen, die nicht blond genug sein.

Deutschkenntnisse? Vielleicht mal vor der eigenen Tür kehren

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Und der peinliche Rechtschreibfehler mit den „Vorraussetzungen“? Selbstverständlich können Fehler passieren. Doch es ist etwas peinlich, dass es besonders viele Fehler regelmäßig bei denen gibt, die andere sprachlich diskriminieren. So fordert die Stadt Wels sogar Deutschkenntnisse für den Zugang zu einer geförderten Wohnung. Auch der Zugang zur Wohnbeihilfe ist an Deutschkenntnisse gebunden.

Die Welser FPÖ-Vizebürgermeisterin Christa Raggl-Mühlberger erklärte 2021: „Deutschkenntnisse als Bedingung für Sozialleistungen und andere Leistungen zu erwarten, ist mit Sicherheit nicht zu viel verlangt.“ Dann hoffen wir mal, dass die Welser Social-Media-Abteilung keine sozialen Leistungen von der Stadt erhält.

Ob die Stadt Wels darüber nachgedacht hat?

Es gibt allerdings zwei interessante Schlupflöcher in der Jobausschreibung: Nirgendwo steht, dass es das eigene Haar sein muss – Perücken sind also offenbar in Ordnung. Und es steht auch nirgends, dass eine Frau die Prinzessin sein muss. Falls sich also jemand entsprechend berufen fühlt: Bewerbungen sind unter office@wels.at jederzeit möglich.

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