Nach vielen Fortschritten in der violetten Szene folgt nun ein richtig übles Signal beim Spiel gegen Blau Weiß Linz.

Die Fanszene der Wiener Austria hat in den letzten Jahren eigentlich enorme Schritte nach vorn gemacht. Der Bruch mit den alten Nazistrukturen rund um die Gruppen Fanatics und Unsterblich (samt deren Freund:innen in Bratislava und Brno) wurde glaubwürdig vollzogen. Auch homophobe Parolen sind vom Vorsänger-Pult nicht mehr zu hören. Da ging also einiges weiter. Doch nun ein deutlicher Rückschritt!

Titelbild: Michael Bonvalot

Denn beim Auswärtsspiel gegen Blau Weiß (BW) am Samstag in Linz verbrannten zwei weiß gekleidete Personen ein altes Banner der Linzer:innen. Die Aufschrift: „FC Linz Fans gegen Rechts“. Aufgemalt ist dazu eine Faust, die ein Hakenkreuz zerschlägt sowie das alte Wappen des BW-Vorgängerklubs VÖEST Linz. Der „Fetzn“ (wie solche Banner im Szenejargon heißen) muss bereits seit vielen Jahren in irgendeinem Keller gelegen sein.

Screenshot/Bildzitat: ASB. Das Bild ist durchgestrichen um die Symbolik nicht selbst weiter zu verbreiten. Die Gesichter der Austria-Fans sind geblurrt, nachdem nicht automatisch davon ausgegangen werden kann, dass Fans, die hinter einem Fetzn stehen, wissen, was darauf zu sehen ist.

Denn laut Postings von Fans im Fußball Forum „ASB“ wurde genau dieser Fetzn von rund 30 Jahren im Austria-Stadion entwendet (Szenejargon: „gezogen“). Besonders pikant: Genau an diesem Samstag hatte die „Arbeitsgemeinschaft Tribüne ohne Rassismus“ (Arge Tor“) der Linzer:innen auch noch eine große antirassistische Choreografie gemacht („Blau Weiss Gegen Rassismus“).

Die Arge Tor hat sich inzwischen ebenfalls zur Causa geäußert: „Die beeindruckende Choreo beim Spiel gegen die Austria Wien stand ganz im Zeichen des Leitbilds und der Präambel des FC Blau-Weiß Linz: für Offenheit, Fankultur, respektvolles Miteinander und die Ablehnung jeglicher Form von Diskriminierung.“ Und zum verbrannten Fetzn heißt es: „Die Arge ToR! sieht sich klar in der Tradition der antifaschistischen Initiativen von FC-Linz-Fans der 1990er Jahre gegen Faschismus und Rechtsextremismus und verurteilt dieses politische Signal aufs Schärfste. Gemeinsam setzen wir weiterhin ein deutliches Zeichen für Respekt, Zusammenhalt und soziale Verantwortung.“

Hier geht es um ein politisches Statement

Nun ist das „Ziehen“ von Fetzn tatsächlich so etwas wie ein Sport zwischen verschiedenen (Ultra-)Fanszenen. Und üblicherweise werden diese Fetzen dann eben bei einem der nächsten Spiele verkehrt herumgezeigt und verbrannt. Doch hier geht es eben nicht um einen „Szene“-Fetzn einer Ultra-Gruppe. Hier geht es um einen Fetzn mit einem politischen Statement – der offenbar nach Jahrzehnten herausgekramt wurde.

Ob die verantwortlichen Personen wussten, dass genau an diesem Tag eine Antirassismus-Choreo der Linzer geplant war? Das wissen wir nicht. Doch Informationen über Choreos werden immer wieder durchgestochen. Und das zeitliche Zusammentreffen ist zumindest sehr auffällig. Und spätestens nach der Choreo der Linzer:innen zu Spielbeginn hätte die Aktion auch abgeblasen werden können.

Es mag sogar sein, dass die handelnden Personen in „Ultra-Logik“ tatsächlich „nur“ einen Fetzn von Blau Weiß verbrennen wollten. Doch: Wer einen Fetzn verbrennt, auf dem „Gegen Rechts“ steht und ein zerschlagenes Hakenkreuz zu sehen ist, muss wissen, welches Signal damit gesendet wird. Und wir sollten Leute auch nicht für dumm halten.

Es ist ein enormer Rückschritt

Es kann davon ausgegangen werden, dass nicht die gesamte violette Szene hinter dieser Aktion steckt und steht. Seitdem die neue Führungsgruppe KAI (Kampfastllln Inzersdorf) ab April 2023 glaubhaft den Bruch mit den alten rechten Strukturen vollzogen hat, strömen immer mehr Fans ins Stadion und in die Kurve. Höchst professionelle Choreos sorgen im Stadion regelmäßig für Aufsehen, Graffitis und Aufkleber prägen das Wiener Stadtbild. Mehr dazu habe ich hier für euch aufgeschrieben.

Doch klar ist, dass diese Aktion einen unglaublichen Rückschritt in der Entwicklung der violetten Fanszene bedeutet, die ansonsten für alle Fußballinteressierten enorm erfreulich ist. Denn wenn eine der großen österreichischen Fankurven extreme Rechte erfolgreich zurückgedrängt, ist das österreichweit und international ein starkes Zeichen und Vorbild.

Was muss jetzt passieren?

Wer schon einmal in einer Fußball-Kurve gestanden ist, weiß: Wer im Sektor steht, hat meist keine Ahnung, was gerade irgendwo anders im Sektor passiert. Besonders schwierig ist es bei Fetzn, die Richtung Rasen gezeigt werden. Was auf einem Fetzn steht, ist von hinten einfach nicht zu erkennen. Und möglicherweise wussten auch nicht alle aktiven Fangruppen der Austria, dass ein Fetzn verbrannt werden soll oder welche Aufschrift er hat.

Bild: Michael Bonvalot

Entscheidend für die weitere Bewertung wird deshalb jetzt die Aufarbeitung. Gefragt ist hier vor allem die Führungsgruppe KAI. Die Austria-Szene hat in den letzten Jahren sehr viel richtig gemacht. Und sie hat damit auch sehr viel Respekt von anderen Fanszenen bekommen. Jetzt werden die führenden violetten Gruppen zeigen müssen, dass sie diesen Respekt auch verdienen.

Aktualisiert um ein Statement der Arge ToR!

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