René Schimanek war ein hochrangiger FPÖ-Funktionär. Angeblich hat er sich von der FPÖ getrennt, nachdem er wegen Nazi-Wiederbetätigung verurteilt wurde – wie so viele vor ihm. Es gibt da nur ein Problem: Das stimmt so nicht.

Erinnert ihr euch an René Schimanek? Er ist einer der Sprösslinge der einschlägigen Familie Schimanek und war lange Zeit höchstrangiger FPÖ-Funktionär. Zuletzt war er sogar als Büroleiter von FPÖ-Nationalratspräsident Walter Rosenkranz beschäftigt. Er leitete damit das Büro des formell dritthöchsten Repräsentanten der Republik. Doch ab Ende 2024 gab es da ein klitzekleines Nazi-Problem.

Titelbild: René Schimanek, Gemeinde Langenlois

Denn da waren Schimaneks Neffen aufgeflogen, sie hatten die mutmaßliche Nazi-Terrorgruppe „Sächsische Separatisten“ (SS) gegründet (es gilt die Unschuldsvermutung). Mehr über die Familie Schimanek und die Gruppe SS habe ich hier für euch aufgeschrieben. Und das brachte auch Onkel René – erneut – in die Schlagzeilen.

Rechtskräftig verurteilt

Kurz danach stand dann René Schimanek selbst in einem anderen Fall wegen Nazi-Wiederbetätigung vor Gericht – und wurde im März 2026 rechtskräftig verurteilt. Er hatte auf einer Todesanzeige für seinen Vater das „Irminsul“-Symbol sowie den Spruch „… und ewig lebt der Toten Tatenruhm“ veröffentlicht, die im Nationalsozialismus dazu dienten, gefallene Soldaten als Helden darzustellen.

Das „Irminsul“-Symbol war auch das Logo der nazistischen Kaderorganisation „Artgemeinschaft“, die 2023 in Deutschland verboten wurde. Warum genau dieses Logo und dieser Spruch – nun, der Apfel fiel nicht weit vom Stamm: Schimaneks Vater, Hans Jörg Schimanek senior, war in den 1990er Jahren Vorsitzender der FPÖ Niederösterreich.

Nach einem Zerwürfnis mit der FPÖ hatte er sich mit einer eigenen rechten Liste namens WIFF in Wien-Floridsdorf selbstständig gemacht. Doch kurz vor seinem Tod kandidierte Schimanek senior bei der Nationalratswahl 2024 wieder für die Blauen. Hier habe ich für euch alle Abspaltungen der FPÖ beschrieben – und was das alles über FPÖ erzählt.

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Nach der Verurteilung wegen Wiederbetätigung ist René Schimanek dann angeblich aus der FPÖ ausgetreten. Zumindest haben sowohl er wie die FPÖ Niederösterreich das öffentlich angekündigt. Doch nun ist Schimanek schon wieder da. Oder besser: Er war nie weg.

Mit Schlagstock, Bruder und Küssel

Beginnen wir am Anfang: Schon in den 1980er Jahren marschierte René Schimanek gemeinsam mit der Nazi-Truppe rund um Gottfried Küssel. Ein Foto zeigt ihn mit Schlagstock und Militärstiefeln bei einem Aufmarsch in Wien. Vor ihm: Sein Bruder Hans-Jörg Schimanek sowie Küssel – damals die beiden Führer der militanten Nazi-Truppe „Volkstreue Außerparlamentarische Opposition“ (VAPO). Sowohl Hans-Jörg Schimanek wie Küssel wurden Mitte der 1990er Jahren wegen NS-Wiederbetätigung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

 

Ob auch René Schimanek bei der VAPO war? Der Kurier [Paywall] berichtete 2016 von einer VAPO-Mitgliedschaft, Schimanek hat es bestritten. Und das Foto mit dem Schlagstock? Er hätte doch nur seinen „Bruder gegen die linken Chaoten verteidigt“, sagte er 2000 dem Falter. Kein Problem für die FPÖ: Dort macht Schimanek bald Karriere.

Doch für die breite Öffentlichkeit waren die Bilder mit Nazi schon damals ein Problem: Als Sprecher des damaligen FPÖ-Justizministers Michael Krüger musste Schimanek 2000 zurücktreten. Die damalige Reaktion von Krüger gegenüber News spricht allerdings Bände:

Er fände „es schäbig, dass man mit Rene Schimanek, der nicht vorbestraft ist, ein Spiel treibt und versucht, ihn mit Küssel in Verbindung zu bringen“. Das ist jetzt insofern amüsant, als das Foto mit Schlagstock doch eine sehr eindeutige Verbindung herstellt … Krüger ist übrigens noch heute in Wien mit eigener Kanzlei als Anwalt tätig.

Schimanek fällt weich, Teil 1

Doch trotz der eindeutigen Verbindungen bleibt Schimanek der FPÖ erhalten. Er arbeitet mutmaßlich unter anderem für die FPÖ im Parlament, im Mai 2010 jedenfalls hat er eine E-Mail-Adresse des Parlaments. Das zeigt eine parlamentarische Anfrage.

Laut Staatsanwaltschaft hätte er 2010 auch eine Dokumentation über Adolf Hitler in einem Mail als Geschichtsverfälschung bezeichnet und mit dem „üblichen Gruß“ unterzeichnet.

Ab November 2015 ist Schimanek dann Büroleiter von Norbert Hofer, damals dritter Nationalratspräsident, später Infrastrukturminister, Präsidentschaftskandidat sowie Kurzzeit-Obmann der FPÖ (bevor ihn Herbert Kickl wegputscht). Dazu ist Schimanek auch Obmann der FPÖ im niederösterreichischen Langenlois.

Wo die VAPO ihre paramilitärischen Übungen machte

Genau im Raum Langenlois hatte auch die VAPO ihre paramilitärischen Übungen abgehalten – wie klein doch die Welt ist. Auch der spätere FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war übrigens bei zumindest einer dieser Übungen anwesend. Mehr über die politischen Aktivitäten des jungen Strache habe ich hier für euch aufgeschrieben.

Die heutigen Nazis nennen diese paramilitärischen Trainings „Wehrsport“. Das mag in den Augen der breiten Öffentlichkeit eher harmlos klingen – tatsächlich aber war das schon der Name der NSDAP für solche Übungen. Und damit es keinerlei Zweifel mehr gibt, formulierte Küssel das Ziel der VAPO so: „Die Zulassung der NSDAP als Wahlpartei“.

„Keinen Strick drehen“

Für Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer sind solche Verbindungen offenbar kein Problem. Man solle Schimanek aus dem Foto mit Küssel „keinen Strick drehen“, sagte er 2016. Eine pikante Formulierung – immerhin hatte Schimaneks Bruder Hans-Jörg bei den paramilitärischen Übungen gelehrt, wie Menschen am besten attackiert werden können. Die Expertise dazu hatte er als früherer Ausbilder beim österreichischen Bundesheer.

Und die Familie Schimanek? Die hatte in Langenlois ein abgelegenes Haus von der Gemeinde gemietet, das wohl gerne als Treffpunkt für diese Kreise genutzt wurde. Späterer Hauptmieter des Objekts? René Schimanek.

Schimanek fällt weich, Teil 2

Als Norbert Hofer dann ab 2017 unter Schwarz-Blau II Infrastruktur-Minister wurde, nahm er René Schimanek mit. Der wurde Hofers Kabinettschef – also der Chef des gesamten Stabes. In einem der wichtigsten Ministerien mit einem enorm hohen Budget und viel Personalmacht. Und auch nach dem Ende von Schwarz-Blau II fiel Schimanek wieder weich.

Öffentlich tauchte er dann erneut als Büroleiter von FPÖ-Nationalratspräsident Walter Rosenkranz auf. Weniger bekannt ist allerdings: Laut einer Mail-Signatur war Schimanek zeitweise auch Teil der Büroleitung des FPÖ-Generalsekretariats. Das zeigt eine parlamentarische Anfrage. Damit war Schimanek einer der höchstrangigen Funktionär:innen der gesamten FPÖ.

Als Büroleiter von Rosenkranz musste Schimanek allerdings im Februar 2025 gehen, nachdem bekannt wurde, dass er Kontakte zur mutmaßlichen Nazi-Terrorgruppe Sächsische Separatisten (SS) hatte, geführt von seinen Neffen, für die die Unschuldsvermutung gilt.

30 Kilo Munition im „Nazi-Museum“

Denn im abgelegenen Häuschen in Langenlois gab es Ende 2024 eine Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die Sächsischen Separatisten. Die Ermittler:innen fanden 30 Kilo (!) Munition sowie 58 Gegenstände mit NS-Bezug, das Haus sei wie ein „Nazi-Museum“ gewesen, hieß es danach (NÖN, Paywall). Zur Erinnerung: Hauptmieter war René Schimanek.

Erst verteidigte Burschenschafter Rosenkranz seinen einschlägigen Büroleiter noch, er kenne ihn doch seit „vielen, vielen Jahren“, sagt er am 19. Februar 2025 im Interview mit Ö1.  Auf die Frage, ob er Schimanek folglich sein komplettes Vertrauen ausspreche, antwortet Rosenkranz im ORF-Radio: „Wenn es etwas gebe, was über 100 Prozent geht – ja.“

Doch nur wenige Tage nach dem „hundertprozentigen“ Vertrauen ist Schimanek nicht mehr haltbar. Am 28. Februar wird das Dienstverhältnis beendet. Doch wieder fällt Schimanek weich.

Jetzt bekommt er einen Stadtratsposten

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Denn in der FPÖ bleibt René Schimanek nach dem SS-Zwischenfall weiter – und wird Anfang März 2025 sogar FPÖ-Stadtrat im niederösterreichischen Langenlois. Doch dann ist – angeblich – endgültig Schluss mit der FPÖ.

Denn im März 2026 wird Schimanek selbst rechtskräftig wegen Nazi-Wiederbetätigung verurteilt. Sein Verteidiger ist übrigens (wie so oft für die äußerste Rechte und auch die Rapid-Szene) Werner Tomanek. Kein Zufall: Tomanek war in den 1980er Jahren selbst Saalschützer für den Ring Freiheitlicher Studenten.

Die Folge der Verurteilung: Schimanek legt sein Mandat zurück, er und die FPÖ Niederösterreich kündigen seinen Parteiaustritt an. Es gibt da nur zwei Fragen: Was macht Schimanek denn jetzt eigentlich? Und ist er tatsächlich ausgetreten?

Schimanek fällt weich, Teil 3 – und jetzt bildet er die nächste Generation aus

„Ich bin Abteilungsleiter internationale Bildungspolitik im Freiheitlichen Bildungsinstitut“, erklärt Schimanek bereits im September 2025, wie Falter-Journalistin Nina Horaczek danach schrieb. Damit wäre also ein Mann für die internationale Ausbildung der FPÖ verantwortlich, der seit Jahrzehnten am äußersten rechten Rand marschiert.

Auf meine aktuellen Anfragen zu seiner Tätigkeit und FPÖ-Mitgliedschaft antworten weder Schimanek noch das Freiheitliche Bildungsinstitut (FBI). Doch meine Anfrage an rene.schimanek@fbi.at führt auch nicht zu einer Fehlermeldung. Die Adresse existiert also offensichtlich.

Und auch profil-Autorin Daniela Breščaković berichtet am 23. Juni von einer aktuellen Tätigkeit Schimaneks im FBI. Auf ihre Anfrage antwortet die FPÖ, Schimanek habe sich in dieser Funktion „keinerlei Fehlverhalten geleistet“.

Was sagt das alles über die FPÖ?

Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen: Ein Mann ist seit Jahrzehnten nachweisbar mit der äußersten Rechten vernetzt. Er muss zweimal wegen Nazi-Kontakten zurücktreten und wird schließlich selbst rechtskräftig wegen Nazi-Wiederbetätigung verurteilt. In all dieser Zeit bleibt er bei der FPÖ und übernimmt höchste Funktionen.

Jetzt ist er in dem Institut tätig, wo die FPÖ ihre Funktionär:innen ausbildet. Und von der FPÖ heißt es nur, er habe sich in dieser Funktion „keinerlei Fehlverhalten geleistet“. Noch Fragen?

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